Tag 91: was ich anfange, zu verstehen

Sevilla,

Letzte Woche Freitag sind meinen Spanischkursen in Málaga zu Ende gegangen. Ein Tag später (also am Samstag) bin ich in den Bus Richtung Sevilla gestiegen. Der Plan dieses Monats ist, jeden Tag ein bisschen Flamenco zu lernen und heute habe ich meine ersten Stunden gehabt. Die waren toll aber auch schwer. Um Flamenco zu tanzen, muss man nicht nur seinen Körper gut bewegen und koordinieren können, sondern muss man auch Rhythmen lernen, um seinen Körper wie ein Perkussionsinstrument zu nutzen. Carmens Bewegungen (Carmen ist meine Tanzlehrerin) sind sehr graziös. Meine leider nicht. Aber ich hoffe, diesen Monat einige Fortschritte zu machen. Auf jedem Fall, es freut mich sehr, weiter lernen zu können.

Drei Monaten sind vergangen, seitdem ich den „Tag 1“ Artikel geschrieben habe. Drei Monaten, seitdem ich das Jahr, wo Alles möglich ist, gestartet habe. Und was ich heute sagen kann, ist, dass ich mich einfach besser fühle. In Juni hatte ich so viel aufzuräumen, bevor wegzufahren, dass ich nicht geschafft hatte, aus meiner Erschöpfungszustand rauszukommen. Dann in Juli habe ich mich bei meiner Familie erholt. Aber das ist erst in August in Málaga am Meer, dass ich angefangen habe, mich an diesem besonderen Jahr zu gewöhnen. Und erst jetzt fange ich an, zu verstehen, was  „auf sich selbst zuzuhören“ bedeutet, und was es meinem Leben bringt. Also ich finde, dass es gerade ein guter Moment ist, um einen kleinen Statuspunkt zu machen.


Wie ich bis jetzt mein Leben geführt habe

Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke, sehe ich viel Erfolg, die irgendwas mit Leistung zu tun haben. Seit immer, wenn ich ein Ziel für mich setze, arbeite ich sehr viel dran, bis ich es erreiche. Und meistens klappt es. Manchmal ist der Weg lang und es gibt Zeiten, wo ich mit Zweifeln rechnen muss, aber am Ende gehe ich fort…immer. Ich habe immer so funktioniert. Sobald ich ein Projekt angefangen hatte, habe ich niemals meine Ziele in Fragen gestellt. Wenn die Entscheidung meine war, und die Ziele positiv zu sein schienen, war es gut. Ich bin so wie ein Roboter durch das Leben gegangen. Ich brauchte immer Ziele. Am bestens eine logische Folge, von was ich davor gemacht hatte. Nachdem ich das erste Ziel erreicht hatte, brauchte ich schon wieder ein neues. Der Rest blieb am Rand. Und im Rest befand sich auch mein Wohlgefühl.

Ich bin lang so durch das Leben gegangen. Und so war ich dieses Jahr mit 32 voll erschöpft mit einem „Leere“ Gefühl. Ich habe festgestellt, dass alle großen Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen hatte, mit beruflichen Zielen verbunden waren . Und wenn nicht, mit einem Unwohlgefühl, das so stark war, dass ich mich unbedingt davon retten sollte. Keine meiner größten Entscheidungen wurde von Liebe, Leidenschaft oder Wohlgefühl motiviert. Um ehrlich zu sein macht mir diese Feststellung traurig. Deswegen habe ich mich entschieden eine richtige Pause zu machen. Eine Pause, um mich wieder zu finden. Und aktuell fange ich an, zu verstehen, wie mein Art zu funktionieren, mir zu diesem Punkt gebracht hat.

Bis jetzt, wenn ich sehr starken Emotionen gefühlt habe, hatte ich Angst davor. So versuchte ich diese Emotionen abzuschalten. Ich fand sie gefährlich, weil ich befürchtete, dass sie die Kontrolle über meinem Leben übernehmen konnten, dass sie mich verletzbar machen konnten, und dass ich am Ende dran leiden würde. Das wollte ich nicht zulassen. Also ich arbeitete schwer und schützte mich immer von Alles. Das war mein Leben. Aber wenn man kein Risiko nimmt, kann man es noch Leben nennen? Da ich nicht meine Emotionen akzeptieren wollte, habe ich 2 Wände errichtet. Die Erste in mir selbst und die hat mir sehr oft verhindert, Sachen zu wagen, worauf ich richtig Lust hatte. Die zweite Wand habe ich um mich herum gebaut, um mich von den Anderen zu schützen. Die beide Wände sind bei mir nicht auf ersten Blick sichtbar. Ich bin sehr sozial. Nur diejenigen, die wirklich näher an mich gerückt sind, sind am Ende gegen die Wand angestoßen. Meine Wände sind meine persönlichen Bremse, Hindernisse. Diese Wände verhindern, dass ich mein wahres Ich werde, dass ich Anderen komplett vertrauen kann, dass ich mein Herz öffne, und dass ich wirklich lieben kann. So zu sein, hat mir viel in meinem persönlichen Leben gekostet. Ich hoffe aber jetzt, dass ich es ändern kann. Ich möchte es zumindest.


Wie ich gerne morgen leben würde

In der Zukunft würde ich gern anders leben. Aktuell bin ich müde immer mit voller Leistung durch das Leben zu gehen. Ich bin müde immer zu rennen. Ich möchte einfach voll und wohl leben. Ich meine mit mehr Wohlgefühl, mit mehr Platz für meine Leidenschaften, für meine Emotionen, für meine Gefühle, für meine Bedürfnisse. Ich möchte lernen, das Leben zu vertrauen und mich überraschen zu lassen. Am Ende ist der Sinn des Lebens, einfach zu leben.

Ich möchte einfach entspannter leben. Heute denke ich, dass es richtig war, den Rahmen zu verlassen, in dem ich bis jetzt war, um mir eine neue Chance zu geben. Was ich mir jetzt wünsche, ist, dass die offene Seite von mir die geschlossene Seite endlich mal überholt, wenn ich Entscheidungen treffe. Also ich muss jetzt lernen, besser und bewusster mir zuzuhören.

Jeden Tag während meiner letzten Wochen in Málaga, brauchte ich mir nur eine Frage zu stellen, um den Tag zu organisieren. Diese Frage war:

„Mylène, worauf hast du heute Lust ?“

Keine Beschränkungen. Kein Muss. Auch zu den Spanischkursen bin ich wegen Lust hingegangen. Ich habe bemerkt, dass je mehr ich mich zugehört habe, desto mehr ich mich wohlgefühlt habe. Was ich morgen in meinem Leben möchte ist: das Wohlgefühl. Und ich möchte auch, dass dieses Wohlgefühl mich durch das Leben führt:

  • Für meinen Körper und meine Seele
  • Für was ich jeden Tag tue
  • Für was ich mit anderen Leuten teile und miterlebe

Um das zu erreichen, werde ich dieses Jahr versuchen, die folgenden Aktionen in meinem Leben zu integrieren:

  • Mir zuhören ( meine Bedürfnis, meine Gefühle, meine Emotionen, bedeuten etwas)
  • Bewusst spüren (mit meinem Körper. Der lügt nie)
  • Akzeptieren (das Leben, wie es kommt, und die Unsicherheit)
  • Wagen (das wahre Ich werden)

Und heute,

Heute fühle ich mich gut in meinem Jahr, wo Alles möglich ist. Mit den Flamenco Kursen die angefangen haben, verbindet sich wieder meine Seele mit meinem Körper und es tut beiden gut. Ich denke, dass die Entscheidung, die ich dieses Jahr getroffen habe, die richtige für mich war. Als ich gekündigt habe, dachte ich,  dass ich mir ein bisschen Zeit für meine Arbeitsumorientierung geben sollte. Einige Monaten später, als ich Tag 1 geschrieben habe, dachte ich, dass ich mir auch etwas Zeit geben sollte, um zu überlegen, WIE ich eigentlich leben wollte. Und jetzt ist die Jobumorientierung gar nicht mehr die Priorität. Ich kann dran am Ende meines Jahres denken. Die neue Priorität ist zu lernen, anders zu leben, mit meinem Herz.

4 comments

  1. Ach du allerliebste, du sprichst Mr aus der Seele. Wenn du wüsstest wie sehr ähnlich ich das gefühlt habe. Aber es eben nicht rechtzeitig erkannt habe und darum sehr lange brauchte, um Körper und Seele wieder in Einklang zu bringen!
    Ich wünsche dir viele frohe und auch besinnliche Stunden in deinem Jahr, in dem alles möglich ist!
    Liebe Grüße, fühle dich umarmt
    Miri

    1. Liebe Miri, ich danke dir für deine Wörter. Es tut mir Leid, dass du selber auch durch diese Phase gehen musstest aber ich hoffe es geht dir auch mittlerweile besser, da du es auch erkannt hast. Ich wünsche dir auch viel Erfolg in Alles, was du dir wünscht. Fühle dich auch gedrückt. Liebe Grüße nach RV.
      Deine Mylène

  2. Hallo Mylene,
    Ein sehr schöner Artikel. Er bringt auch mich bissl zum nachdenken. Es gut, wenn Jemand so reflektiert über sich selbst ein Urteil seiner Situation ablegen kann.
    Du machst das richtige und du stellst dir die richtigen Fragen.
    Weiter so.
    LG C

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