Nantes: wo man den „Seiten-Schritt“ lobt

In den letzten Wochen habe ich zwischen zwei kleinen persönlichen Projekten ein paar Kurzurlaube gemacht, um den Sommer zu genießen. Ein Zielort war Nantes. Ich bin Ende Juli mit dem OuiGo (dem low-Cost TGV) Richtung „Pays de la Loire“ gefahren und habe dort eine ganze Woche verbracht. Die Stadt Nantes habe ich auf meine eigene Weise entdeckt, und ich muss sagen, dass sie mir für mehrere Grunde sehr gefallen hat. Deswegen teile ich euch jetzt mit, was ich dort am liebsten gemocht habe, und was für eine Stimmung ich in dieser besonderen Stadt gespürt habe.


Jules Vernes Stadt

  • Das „Jules Verne“ Museum

Ich bin Science Fiction begeistert. Das ist Fakt. Also es war für mich ein Muss das Jules Verne Museum zu besichtigen. Ja, Jules Verne ist in Nantes geboren und ist auch da aufgewachsen. 1828 war sein Geburtsjahr. Damals war der Sklavenhandel noch im Gange und viele Schiffe verließen den Hafen von Nantes, um ihre makabere Mission zu erfüllen. War sich der kleine Jules Verne dessen bewusst, als er jung war? Keine Ahnung. Jedenfalls beobachtete er die Boote, die den Hafen verließen und träumte davon, ein Reisender zu werden. Später wurde sein Traum wahr und seine Reisen fingen an, seine Fantasie anzuregen. Jules Vernes Bücher inspirieren heute immer noch Groß und Klein. Das Museum empfehle ich weiter. Mein Lieblingsebene, Level -1.

  • “ Les Machines de L’île“: eine Jules-Verne Stimmung

Auf der Nantes Insel habe ich einen riesigen mechanischen Elefanten gesehen. Der trug Menschen auf seinem Rücken und besprühte Allen mit seinem Rüssel. Eigentlich wollte ich ihn schon lange sehen und als er vor mir stand, war ich voll begeistert. Er machte Lärm, er war riesig, wunderschön und blinzelte sogar. Hamma!

Nach dem Elefanten habe ich in der Maschinengalerie andere mechanischen Tiere entdeckt, die alle überlebensgroß und faszinierend waren, wie beispielsweise eine Riesenspinne. Ich habe erfahren, dass all diese Maschinen in naher Zukunft aus der Galerie kommen sollen und einen außergewöhnlichen „Jules-Verne“-Garten bevölkern werden: eine Kombination aus tropischem Garten und fantastischen Tieren, die wie der Elefant auch Menschen transportieren werden. Es wird eine Mischung aus Realität und Fiktion sein. Den Garten habe ich bereits gesehen. Im Moment sind noch keine mechanischen Tiere drin aber ich kann mir schon vorstellen, wie es später sein wird. Und klar werde ich es mir ansehen, wenn der „Reiherbaum“ eingeweiht wird.

Also da habe ich einen Art Jules Vernes Stimmung gespürt.


Lob des „Seiten-Schrittes“ und der Strassenkunst

Ursprünglich hatte ich Nantes wegen der Maschinen Insel auf meiner Liste der „Städte zu besichtigen“ hinzugefügt. Dieser Grund war für mich schon ausreichend. Aber die letzten Monate habe ich auch gehört, dass Nantes eine Stadt mit schöner Atmosphäre war, und dass die kulturelle Vielfalt dort lebt. So kam ich mit voller Begeisterung.

Wenn ich ehrlich sein soll, ist Nantes für mich nicht die schönste Stadt, die ich besichtigt habe. Ich finde aber trotzdem, dass das Stadt-Flair dort anders ist. Im Zentrum sieht man Musiker an der Terrassen und das Publikum sitzt auf dem Boden daneben. „Place Bouffay“, lobt man einen sogenannten „Seiten-schritt“ mit einer Statue, deren ein Fuß außerhalb der Grundplatte hängt… Das hat mich angesprochen.

Ich habe in Nantes den Eindruck bekommen, dass man sich einfach erlaubt, anders zu sein, und dass dieser Trend von der Stadt unterstützt wird. Sowas gibt es so selten. Besonders dank des Straßentheaters konnte ich was davon mitbekommen. In Nantes gibt es unglaublich viele Theater Companies und Straßenkunst Truppe. Am Freitagabend in les Ateliers-Magellan (einem alten Hangar / Veranstaltungssaal) habe ich gleich 2 davon im Rahmen der Nantes Veranstaltung Saison Déconfinée sehen können:

  • Bikes and Rabbits (Zirkus und Musik) mit dem Dodo Projekt. Da hat mir Alles gefallen: das Thema, das Theater, das Jonglieren, der Austausch mit dem Publikum, Alles.
  • Maboul Distorsion hat auch etwas geboten. Eine Filmvorführung Live synchronisiert von den Komödianten. Das war anders und sympathisch.

Eintritt ==> Freie Preis / das Essen ( ein vegetarischer Warmgericht mit Quinoa) ==> Freie Preis.

Das Publikum hat jeden Style, konventionell oder auch nicht. Jeder kommt wie er ist und lächelt. Und das ist echt toll.

  • Sonntag am Quai des Chaps, ähnliche Stimmung , anderes Dekor: Zirkuswagen und Zelt…und viele Zucchini. Ein Bio-Landwirt aus der Gegend hat mehr geerntet und hat den Überschuss gegeben. Drum wurde das Publikum gebeten, 1 oder 2 Bio-Zucchini mitzunehmen beim Weggehen. An dem Tag war der Eintritt nur 5 € für kleine Shows draußen und unter dem Zelt.

Nantes war einfach cool. Das ist eine Stadt der alternativen Kunst, eine Stadt der Vielfalt für Alle. Ich war begeistert.


An der Loire und Erdre entlang

  • Das Denkmal für die Abschaffung der Sklaverei

In der Woche bin ich durch die Stadt gegangen. Am Rand der Loire (der Fluss, der durch Nantes fließt) habe ich mehr über der dunklen Vergangenheit der Stadt erfahren. Nantes war mal der erste Sklavenschiff-Hafen Frankreichs während dem afrikanischen Sklavenhandel. Heute ist es zum Glück vorbei und man findet am Rand der Loire dieses Denkmal, wo es über Sklaverei, Menschenhandel, Abolition und verbleibende Kämpfe gegen Sklaverei erzählt wird. Das Denkmal ist ziemlich neu. Er wurde 2012 eingeführt. Ich freue mich, dass es jetzt da ist (das hat Zeit gebraucht…).

  • Am Loire entlang…

Man findet Alleen grüner Bäume beim „Quai des plantes“. Die riechen gut und es tut gut drunter bei der Hitzewelle zu laufen. Irgendwann erreicht man das Schiff Museum: ein Militärschiff, das da verankert und als Museum verändern wurde. Das Boot befindet sich gegenüber der Nantes Insel und ihre Maschinen.

  • Aus der Mitte entspringt ein Fluss: die Erdre

Neben der Hauptfluss Nantes (La Loire) gefiel mir ein zweiter Wasserlauf: die Erdre. Dünner, ruhiger mit seiner mini Wald Insel (Insel Versailles) und seinen entspannten Leuten, die zum Apéro oder zum Spazieren gehen vorbeilaufen. Ich finde, dass Wasser in einer Stadt ändert Alles. Wasser mag ich. Das entspannt mich. Wenn es keinen Wasserlauf, Strand oder See in oder am Rand einer Stadt gibt, fehlt es definitiv etwas. Zum Glück für Nantes, ist sie gerettet 😉


Und ziemlich nah dran…der Ozean

Ich beende diesen Artikel mit einem kleinen Ausflug an den Ozean. Das war ja klar. Er ist ganz nah an Nantes, also natürlich bin ich zum Baden gefahren. An dem Tag, wo ich hin wollte, habe ich meinen Regionalzug Richtung Pornic verpasst, so habe ich mich letzt endlich für Le Croisic entschieden. Als wir in „La Beaule“ gehalten haben, sind 3 Viertel der Reisenden ausgestiegen. Da habe ich mich gefreut weiterzufahren… Es gibt ja noch Covid-19…

Le Croisic finde ich süß. Es gibt viele Creperies und Keksladen nebeneinander. Ein Stück Bretagne nicht weit von Guérande und seinem berühmten Salz. Auf der anderen Seite liegt der Strand. Der ist nicht voll. Perfekt für mich. Einziger Dämpfer… Ich habe keinen Hut mitgebracht (aber ich freue mich schon dort zu sein :-D).


Also…

Nantes zu besichtigen hat mir sehr gefallen und ich weiß schon, dass ich wieder Mal dort hinreisen werde. Dort habe ich mich, von Alles was ich gesehen habe, inspirieren lassen, so dass ich gleich beim Rückweg den Text für ein neues Projekt gestartet habe (ich schreibe später drüber). Die Nantes Bewohner haben mir ein bisschen ihrer Freiheit beigebracht. Der Geruch des Ozeans hat mir wieder Mal mitgerissen. Ich befreie Kopf und Seele wie bei jeder Reise egal wie nah, egal wie weit. „Das Lob des Seiten-Schrittes“ spricht mich an. Nur brauche ich selbst manchmal ein bisschen mehr zu wagen.

Und ihr? Kennt ihr schon Nantes?

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